Einsichten von Kathrin im Dezember

Atemnot im Weihnachtskorsett

Die Plätzchen meiner Mutter. Seit ich denken kann, steht das kleine Gebäck repräsentativ für zwei unumstößliche Tatsachen. Zum einen sind sie Zeugnis für die Akkuratesse meiner Mutter beim Backen. Keines wagt, optisch aus der Reihe zu tanzen, geschmacklich garantieren sie die immer gleichen, fein ausgewogenen Kompositionen aus Gewürzen, Nüssen, Schokolade und Co. Kurz und gut, die Weihnachtsleckereien meiner Muttern sind Meisterwerke der Backkunst. Muskaziner, Kissinger, Nougathörnchen, Florentiner, Baumkuchen, Schokoladenbrot und viele mehr stehen für Perfektion und Tradition, für Sorgfalt und Hingabe, und niemand würde vermuten, weder sehen noch schmecken, dass meine Mutter Backen hasst. Leidenschaftlich hasst. Denn auch dafür stehen ihre Plätzchen: für Materie gewordene Abneigung.

 

 

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